Der Wandertag – Eine Gruselgeschichte

Seit Wochen fiebere ich diesem Ereignis entgegen. Der Wandertag ist das einzige, was das Schuljahr für mich zu bieten hat. Früh morgens treffen wir uns vor der Schule. Der Bus ist natürlich zu spät. Dabei bin ich extra möglichst spät gekommen, um mit niemandem während der Wartezeit reden zu müssen. Jetzt sitze ich etwas entfernt auf dem Boden und höre Musik auf meinem Ipod. Gott sei dank ist Sommer, so kann ich mich hinter meiner Sonnenbrille verstecken. Diesen Trick benutze ich so oft es geht. Ich beobachte meine Klassenkameraden. Verena, die kleine Schleimerin, unterhält sich natürlich die ganze Zeit mit Herrn Bommelmann. Ich kann beide nicht ausstehen. Etwas abseits stehen die Tussis aus meiner Klasse. Wahrscheinlich tauschen sie sich gerade über den neusten Nagellack aus. „Ohhh, kennst du schon Peachy Pink von P’Oreal? Der ist soooo sweet!“ Gefolgt von hysterischem Gekicher. Würg! Die Königin der Klasse mal wieder im Zentrum der Aufmerksamkeit. Cora, die schlimmste von allen! Wie sie da steht mit ihrer perfekten Figur und den naturblonden Haaren! Ich brauche wohl kaum zu erwähnen, dass die Jungs ihr zu Füßen liegen. Da kommt endlich der Bus. Der Busfahrer entschuldigt sich und tischt uns irgendeine Ausrede auf. Mir egal. Ich steige schon mal ein und setze mich ganz nach vorne. Da will sonst keiner hin. Zu nah am Lehrer. Obwohl, das wär doch was für Verena. Endlich fahren wir los. Während der Fahrt höre ich weiter Musik: Ich lasse mir nichts anmerken, aber mein Herz klopft vor Aufregung. Mit jeder Minute steigt mein Puls. Da ist endlich die Autobahnausfahrt. Jetzt sind es nur noch wenige Minuten. Hinter meiner Sonnenbrille halten meine Augen Ausschau nach jedem Straßenschild mit unserem Ziel:
Süßmanns Tortenfabrik!
Da sehe ich das Gebäude hinter einer Kurve auftauchen. Majestätisch erhebt es sich über dem Parkplatz, die Autos der Mitarbeiter wie kleine Untertanen, die sich verneigen, die Schornsteine wie imposante Schlosstürme und die tortenförmige Leuchtreklame wie die Krone, die die Herrschaft dieser himmlischen Anlage legitimiert. Der Bus hält an, wir steigen aus, ich kann mich kaum zurückhalten, dass ich nicht loslaufe. Wir nähern uns dem Eingang, gehen durch die Schiebetür. Drinnen laufen Mitarbeiter durch die große Eingangshalle. Niemand beachtet uns. Es herrscht großes Durcheinander. Die Angestellten rufen sich knappe Anweisungen zu. Was ist hier los? Plötzlich öffnet sich hinter uns die Schiebetür. Mehrere dutzend Feuerwehmänner stürmen herein, mit Schläuchen und Atemschutzmasken. Ich verstehe gar nichts mehr. „Tut mir leid“, sagt er „es hat ein Feuer gegeben. Wir müssen die Führung leider absagen. ALLE Torten sind verbrannt!“ Das ist das letzte, was ich höre. Dann wird alles schwarz.

 

 

Autor: Éclair-Love

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Sehnsucht

Das Meer, das Meer,
dorthin zieht es den Bär
auf jene lange Reise
auf diese kurze Weise
ein einsamer Waise

Ende

 

Autor: Emilie Elfenträne

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